St. Laurentius

Mitten im Grünen: Die 625 Jahre alte St.-Laurentius-Kirche in Hasbergen

Unsere offene Kirche: Täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Seit Jahrhunderten ist St. Laurentius ein festes Bollwerk in allen Stürmen des Lebens. Hier können Sie zur Ruhe kommen und Ermutigung finden, ein Gebet sprechen, eine Kerze anzünden oder Sie nehmen sich ein paar gute Worte mit nach Hause.
Hier in Gottes Haus haben schon seit hunderten Jahren die Menschen in den Stürmen des Lebens Zuflucht gefunden.

Gottes guter Segen erfülle, begleite und schütze Sie!

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St. Laurentius-Kirche Hasbergen

Die St. Laurentius Kirche ist das älteste Bauwerk in Delmenhorst. Schon 1142 wurde erstmals eine Kapelle in Hasbergen erwähnt, die stand aber wohl an einem anderen Ort (evtl. am Klosterweg, dessen Namensursprung nicht bekannt ist) – wahrscheinlich ein kleiner Vorgängerbau der heutigen Kirche. Man vermutet, dass wohl um die Mitte des 12. Jahrhunderts mit dem Bau einer Feldsteinkirche auf der Hasberger Vorgeest begonnen wurde. Mauerwerksteile aus dieser Bauzeit sind im Turm und in der Nordwand noch heute vorhanden. Im 14. Jahrhundert ist die Kirche gegen Osten erweitert und an dieser Stelle auf dem natürlichen Geestrücken stand wahrscheinlich um 1330 eine Kirche, die aber wohl zerstört wurde. Die St. Laurentius-Kirche wurde laut Patrimonialbuch am 10. August 1380 neu geweiht, ist aber nicht in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Immer wieder haben vor allem Naturkatastrophen Teile der Kirche beschädigt, die dann zum Teil oftmals verändert wieder errichtet wurden. Außerdem wurden im Innenraum von den verschiedenen Generationen vor uns Veränderungen im Stil und mit den Möglichkeiten der jeweiligen Zeit vorgenommen.

die St. Laurentius-Kirche in der Dämmerung

Wenn die Hasberger Kirche daher in Reiseführern etwa als „stillos“ bezeichnet wird, so meint das nur ein Fehlen der Einheitlichkeit. Die meisten, die hierher kommen, lieben diese Dorfkirche so wie sie ist als schönes Gotteshaus in wunderbarer Umgebung, das heute wie früher zu Besinnung und Gebet einlädt.

Der Kirchturm

Sie betreten die Kirche durch den Turm. Das bunte Fenster auf der linken Seite ist weder alt, noch zeigt es den Namenspatron der Kirche, den heiligen Laurentius. Es handelt sich um ein Bild des Kirchenmalers Oetken von 1956, das den Erzengel Michael darstellt.

In der Balkendecke sehen Sie zwei Löcher, durch die früher die Glockenseile liefen. Seit 1509 hatte die Kirche zwei Glocken von denen eine heute noch läutet, die andere musste im Krieg abgeliefert werden. 1945 sollte sogar der gesamte Turm gesprengt werden, weil er angeblich für nach Bremen fliegende Bomber zur Orientierung dienen könnte. Damals rettete der Küster Johann Hetebrink das Bauwerk, indem er sich weigerte, „seinen“ Kirchturm zu verlassen.

Im Jahre 1960 wurden drei Glocken angeschafft, so dass heute ein volles vierstimmiges Geläut über Hasbergen erklingt.

Auf Anfrage kann der 17 Meter hohe Turm auch bestiegen werden.

Das Kirchenschiff

In der Mitte der Nordwand findet sich ein bemerkenswertes Stück: Eine Grabplatte mit lateinischer Inschrift, die mit Ergänzung fehlender Buchstaben lautet: „Hic jacet dominus Johannes De Siden, rector huius ecclesiage et fundavit istut altare“ („Hier liegt Herr Johannes de Siden, Pfarrer dieser Kirche und er hat diesen Altar gegründet“). Der Stein stammt etwa von 1350 und ist damit einer der ältesten Grabsteine in Norddeutschland. Johannes de Siden ist in einer Urkunde des Papstes Johannes XXII. 1328 als Pastor in Hasbergen erwähnt. Bis zu seinem Tode war Delmenhorst in Hasbergen eingepfarrt. Sein Grabstein wurde dann wohl beim Neubau der Kirche 1380 in die Wand eingefügt.

 

Ein weiterer sehr alter Stein ist vor der ersten Bankreihe der Taufstein aus dem Mittelalter. Man erzählt sich, dass dieser früher als Stuhl in Schafkoven stand, auf dem der Pfarrer auszuruhen pflegte, wenn er zu Fuß von Hasbergen nach Delmenhorst unterwegs war. Nachdem jede der beiden Kirchen einen eigenen Pfarrer hatte, stand er viele Jahrhunderte an der Südostecke vor der Kirche. Im Jahre 1956 wurde er nach drinnen gestellt und als Taufstein umgestaltet.

Die Kirche wurde im Verlauf des 30jährigen Krieges 1633 von protestantischen schwedischen Soldaten ausgeraubt (obwohl Hasbergen seit 1567 evangelisch war). Daraufhin wurden 1638 neue Bänke angeschafft, von denen die alten „Wangen“ mit Inschriften zum Teil noch erhalten sind. Darauf findet sich z.B. der Name von Pastor Vollers, der von 1619 bis 1671 rekordverdächtige 42 Jahre hier amtierte. Von ihm stammen auch die ältesten erhaltenen Aufzeichnungen im Pfarrarchiv. Ebenfalls 1638 stiftete Graf Christian von Delmenhorst die Kanzel, auf der oben sein Wappen zu sehen ist.

Sehens- und lesenswert sind die alten Grabplatten an den Wänden, z.B. neben der Tür die der Eheleute Coldewey von 1723. Frau Coldewey war eine Enkelin von Pastor Vollers. Der Sohn der Coldeweys wurde Nachfolger seines Vaters und ließ 1732 nach einer Sturmflut die Südwand der Kirche neu errichten. Dabei sorgte er dafür, dass der Grabstein seiner Eltern erhalten blieb. Mitglieder dieser Familie stellten somit insgesamt 120 Jahre lang den Pfarrer in Hasbergen.

Der steinerne Altar stammt von 1732, das Kreuz ist ebenfalls aus dem 18. Jh., wobei der Corpus jünger ist. Die beiden Kronleuchter (mit echten Kerzen!) hingegen wirken nur alt, sie wurden um 1950 gestiftet.

Die Empore

Empore

Im 19. Jahrhundert hatte die Kirche insgesamt 620 Sitzplätze, mit verschiedenen Emporen auf allen Seiten, wobei viele Familien ihre eigenen Bänke hatten. Dass sie diese dann auch stets benutzten, ist damit nicht gesagt, vielmehr wird der schlechte Besuch der Gottesdienste in Hasbergen und das Schlafen während der früher oft sehr langen Predigt in vielen alten Aufzeichnungen bemängelt. Aus dieser Zeit ist noch der sog. „Plate-Stuhl“ erhalten, der oben an der Rückwand steht. Das ist der Sitz der Familie von Gut Hemmelskamp, dem größten landwirtschaftlichen Anwesen in Hasbergen. Er war ursprünglich an der Stelle, wo heute die Orgel steht, angebracht und hatte einen eigenen Aufgang an der Nordseite der Kirche.

1817 wurde die erste Orgel angeschafft, bis dahin hatten Vorsänger bzw. Kinder für die musikalische Umrahmung der Gottesdienste gesorgt. Die jetzige Orgel wurde 1972 gebaut. 

Eine große Umgestaltung des Innenraumes brachte 1956 das heutige Erscheinungsbild hervor: Bänke und Kanzel wurden gestrichen, die neue, gerundete Empore ersetzte die ursprünglichen Einbauten, die auf einem Foto im Gemeindehaus noch sehr gut zu sehen sind. Durch einen Zufall wurde das damals weggeworfene alte Altarbild in den 80er Jahren wiedergefunden und konnte 2003 restauriert werden. Das Bild ist eine sehr originalgetreue Kopie eines Werkes des bekannten Kirchenmalers Pfannschmidt und wurde 1892 angefertigt. Zwischen den Fenstern an der Südwand hat es nun einen würdigen neuen Platz gefunden. 

Das Äußere der Kirche

Es fällt auf, dass es neben den alten Steinquadern verschiedene Backsteinflächen gibt, die die Geschichte von diversen Wiederaufbaumaßnahmen erzählen: Am Vordereingang berichtet eine Tafel vom Neubau der Südwand 1732 (vgl. die Grabplatte Coldewey drinnen!). Damals hat man die Kirche gleich um etwa einen Meter verbreitert, so dass der Turm nicht symmetrisch vor dem Kirchenschiff steht. Dies ist von der Westseite gut zu erkennen, dort sieht man auch mit eisernen Zahlen, dass diese Seite des Turms 1690 neu gebaut wurde. Das war auf einen Orkan zurückzuführen, der bereits 1619 den Turm stark beschädigt hatte. Die Turmuhr wurde 1912 eingebaut, das Dach 1974 neu gedeckt. Die Außenmauern, besonders an der Ostseite, wurden 2006 saniert.

An den dicken Mauern mit Schießscharten ist zu sehen, dass der Turm auch zur Verteidigung diente. Zu früheren Zeiten suchten immer wieder Menschen und Tiere Zuflucht vor feindlichen Soldaten und vor Überschwemmungen in der etwas höher gelegenen Kirche. Auf der Nordseite wurde 1950 der Anbau mit Sakristei und Heizung errichtet, an der Ostmauer sind die großen Stützpfeiler erwähnenswert, die zugleich als Wellenbrecher und zum Abhalten des Eises dienen sollten. Dort steckt links eine kleine Kugel, von der die Sage berichtet, die Bremer hätten mit Kanonen auf die Kirche geschossen, um die Glocken zu bekommen.

Die Hasberger Kirchen-Glocken

Die Glocke IV (Foto links) wurde gegossen von Johannes Freese aus Osnabrück im Jahre 1509. Die Klanghöhe liegt bei c’’+14. Gleichzeitig wurde eine zweite, größere Glocke gegossen, die im ersten Weltkrieg abgeliefert werden musste. 1960 erwarb die Gemeinde zu der alten Glocke drei neue. Sie wurden bei der Firma Rincker in Sinn gegossen. Ihre Klanghöhen liegen folgendermaßen: Glocke I: e’, Glocke II: g’ und Glocke III: a’.
(Die Klanghöhen wurden ermittelt von Ricklef Orth am 26.9.2002).

Alle vier Glocken läuten vor und nach allen Gottesdiensten. Bei Beerdigungen, am Karfreitag, am Buß- und Bettag und am Totensonntag läutet nur die große Glocke, die den tiefsten Ton hat.

Zu jeder vollen und halben Stunde ertönt der Stundenschlag der Glocke III. Morgens um 8 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr (Winter) bzw. 19 Uhr (Sommer) ertönen nach dem Stundenschlag neun „Gebetsschläge“ auf die Glocke I, die zum Sprechen des Vater Unser mit seinen neun Bitten auffordern. Es folgt jeweils ein kurzes Läuten der Glocke II (mp3-Aufzeichnung vom 13.12.2009 – Aufnahme: Hohmann, 945kB).

Die Inschrift der Glocke IV lautet: „maria mater gratiae mater misericordiae tu nos ab hoste protege in hora mortis suscipe anno dni CCCCCMIX“ („Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, beschütze uns vor dem Feinde, nimm uns in der Todesstunde auf. Anno 1509“).

Das Gemeindehaus

Im Gemeindehaus gegenüber der Kirche treffen sich Jung und Alt: Vom Spielkreis bis zu den Senioren bietet die Kirchengemeinde in Hasbergen ein buntes Spektrum und bildet einen wichtigen Teil des Dorflebens.

So finden Sie hin

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